Hitzerekorde bedrohen Bevölkerung und Tourismus in Südeuropa. In diesem Juli leiden besonders Italien und Griechenland unter einer massiven Hitzewelle mit Temperaturen bis zu 46 Grad. Die Auswirkungen sind dramatisch: Todesfälle, Schließungen von Sehenswürdigkeiten, Arbeitsverbote und steigende Gesundheitsrisiken. Zwei beliebte Urlaubsländer erleben eine gemeinsame Wetterkrise – mit unterschiedlichen lokalen Konsequenzen.
Inhaltsverzeichnis:
- Italien - Hitzetote in Apulien, Sardinien und Städten wie Rom
- Griechenland - Schließung der Akropolis und neue Todesfälle
- Gemeinsamkeiten beider Länder: Gesundheitsrisiken und Maßnahmen
- Rekordwerte, Klimawandel und Langzeitfolgen
- Rechte der Urlauber und Herausforderungen für Reiseveranstalter
- Erinnerungen an frühere Katastrophen
Italien - Hitzetote in Apulien, Sardinien und Städten wie Rom
Italien wird in diesem Sommer erneut von einer tödlichen Hitzewelle heimgesucht. Seit Montag kletterten die Temperaturen in Apulien und Sizilien auf über 40 Grad. Meteorologen warnen vor Spitzenwerten bis zu 45 Grad an der Südküste Siziliens zwischen Catania und Agrigent.
Fünf Menschen starben in Apulien allein Anfang dieser Woche. Unter den Opfern: vier über 60 Jahre alt, sowie eine 18-jährige Urlauberin aus Norditalien. In Sardinien meldeten die Behörden zwei weitere Tote. Besonders gefährdet sind ältere Personen und Menschen mit Vorerkrankungen, die sich in der direkten Sonne aufhalten.
Laut einer britischen Studie gab es bei der ersten Hitzewelle zwischen Juni und Juli in Rom und Mailand rund 500 hitzebedingte Todesfälle. Die Gefahr beschränkt sich nicht auf Strände – Städte wie Neapel, Bologna oder Florenz heizen sich durch Verkehr und Beton zusätzlich auf.
Griechenland: Schließung der Akropolis und neue Todesfälle
Auch Griechenland kämpft mit extremen Temperaturen. In Amfissa nahe Delphi wurden 44 Grad gemessen, in Athen erwartet man 42 Grad. Die Regierung reagierte mit Arbeitsverboten im Freien zwischen 12 und 17 Uhr. Betroffen sind Bauarbeiter, Lieferdienste, Müllabfuhr und Landwirte.
Die berühmte Akropolis in Athen bleibt täglich fünf Stunden geschlossen. Weitere antike Stätten wie der Zeus-Tempel und Hadrians-Bibliothek wurden ebenfalls temporär gesperrt. Der Schutz des Personals und der Touristen steht im Vordergrund.
Fünf Touristinnen und Touristen kamen diesen Sommer ums Leben, weil sie trotz Warnungen Wanderungen unternahmen. Zu den Toten gehört auch der bekannte britische TV-Arzt Michael Mosley. In Athen wurden mit Wärmebildkameras Asphalttemperaturen von 60 Grad gemessen.
Gemeinsamkeiten beider Länder - Gesundheitsrisiken und Maßnahmen
Die Behörden in Italien und Griechenland setzen ähnliche Maßnahmen durch:
- Arbeitsverbote während der heißen Stunden (12:30–16 Uhr in Italien, 12–17 Uhr in Griechenland)
- Klimatisierte Räume für Senioren und Bedürftige
- Warnungen vor Strandaufenthalten in der Mittagssonne
- Empfehlung zur Vermeidung körperlicher Aktivität im Freien
Die Hitze gefährdet nicht nur Menschenleben, sondern auch Infrastruktur und Umwelt. In Italien wurde die Oberflächentemperatur des Mittelmeers um 5 Grad über dem Durchschnitt gemessen. Dies führt zu starker Verdunstung und steigender Gewittergefahr mit Hagel.
In beiden Ländern gelten die Empfehlungen:
- viel Wasser trinken
- Alkohol vermeiden
- leichte Mahlzeiten bevorzugen
- Sonnenschutz auftragen
- Aktivitäten frühmorgens oder abends einplanen
Rekordwerte, Klimawandel und Langzeitfolgen
Klimaforscher wie Antonello Pasini vom CNR sehen im Klimawandel den Auslöser für die sich häufenden Extremwetterlagen. Die bisher dominierenden Azorenhochs werden durch afrikanische Hochdruckgebiete ersetzt. Dies bringt nicht nur Hitze, sondern auch Dürre und Starkregen.
Auch Griechenland kämpft mit einer beunruhigenden Entwicklung. Seit 2021 gibt es jedes Jahr eine Hitzewelle von mehr als 10 Tagen. 2023 hielt sie 15 Tage, 2024 bereits 16. Temperaturen über 43 Grad sind keine Ausnahme mehr.
Laut dem Copernicus-Klimadienst der EU liegt der diesjährige Juli in Griechenland 1,5 Grad über dem Durchschnitt. In Athen bleibt es auch nachts heiß – das Thermometer fällt kaum unter 30 Grad. Der städtische Wärmeinseleffekt verschärft die Lage.
Rechte der Urlauber und Herausforderungen für Reiseveranstalter
Rechtlich haben Touristen bei extremer Hitze nur begrenzt Handlungsspielraum. Temperaturen über 40 Grad gelten im Sommer in Südeuropa als vorhersehbar – eine kostenlose Stornierung des Urlaubs ist deshalb meist nicht möglich.
Ausnahmen gelten nur bei:
- Nicht funktionierender Klimaanlage
- Leeren Pools
- Gefährdung durch Waldbrände in direkter Umgebung
In solchen Fällen können Urlauber eine Reisepreisminderung verlangen. Dazu müssen Mängel dokumentiert und dem Veranstalter gemeldet werden. Die Angst allein vor Naturgefahren reicht juristisch nicht aus, um eine Rückerstattung zu erhalten.
| Vergleich Italien – Griechenland | Italien | Griechenland |
|---|---|---|
| Max. Temperatur | 45–50 Grad | bis zu 46 Grad |
| Todesfälle (Juli 2024) | über 500 (inkl. Städte) | 5 Tourist*innen |
| Maßnahmen | Arbeitsverbote, Kühlzentren, Warnsystem | Arbeitsverbote, Sperrungen von Stätten |
| Problemzonen | Apulien, Sizilien, Städte | Athen, Zentralgriechenland, Peloponnes |
| Tourismusfolgen | Strandbesuche nur frühmorgens/abends | Schließung antiker Stätten mittags |
Erinnerungen an frühere Katastrophen
Griechenland erinnert sich an den Juli 1987. Damals stieg das Thermometer auf 46 Grad, über 800 Menschen starben. In vielen Stadtteilen brach die Wasserversorgung zusammen. Damals fehlten in den meisten Haushalten Klimaanlagen – sogar in Krankenhäusern.
Heute ist die Infrastruktur besser vorbereitet. Dennoch bleibt die Verlängerung der Hitzeperioden ein wachsendes Risiko. Auch die Auswirkungen auf Tourismus, Landwirtschaft und Gesundheitssysteme nehmen zu.
Italien und Griechenland stehen symbolisch für eine neue Realität in Südeuropa. Extremtemperaturen sind keine Ausnahme mehr, sondern werden zur Regel. Die Lage ist ernst – sowohl für Einheimische als auch für Millionen von Urlaubern.
Quelle: Reise Reporter


