Der älteste queere Club Deutschlands steht vor einer ungewissen Zukunft. Der Berliner Club Schwuz hat Insolvenz angemeldet und kämpft um sein Fortbestehen. Die Situation ist kritisch, doch der Betrieb soll vorerst weiterlaufen. Zahlreiche Maßnahmen sind geplant, um das Überleben zu sichern. Dabei wird deutlich, wie angespannt die Lage der Clubkultur in Berlin ist.
Inhaltsverzeichnis:
- Krise begann Anfang 2024
- Kündigungen und eingeschränkter Betrieb
- Ein bedeutender Ort der queeren Geschichte
- Kritik und Sorge um Berlins Clubkultur
Krise begann Anfang 2024
Laut Geschäftsführung begann die wirtschaftliche Schieflage des Schwuz bereits Anfang 2024. Damals war absehbar, dass das Geschäftsjahr mit einem deutlichen Minus enden würde. Eine Analyse der finanziellen Lage nach einem Führungswechsel im März brachte die ganze Tiefe der Krise ans Licht. Die neuen Verantwortlichen erkannten schnell, dass die bisherigen Gegenmaßnahmen nicht ausreichten.
Ende Mai fehlten regelmäßig Beträge zwischen 30.000 und 60.000 Euro. Gleichzeitig sanken die Einnahmen, während strukturelle Mängel in der Verwaltung das Problem verschärften. Die wirtschaftliche Lage hatte sich so zugespitzt, dass dringende Entscheidungen getroffen werden mussten.
Kündigungen und eingeschränkter Betrieb
Als Reaktion auf die akute Lage wurden im Mai 2025 insgesamt 33 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entlassen. Darunter befanden sich auch langjährige Beschäftigte. Die Entscheidung sorgte für Kritik, doch die Geschäftsführung erklärte, dass ohne diesen Schritt die Schließung des Clubs unvermeidbar gewesen wäre.
- Reduzierung der Öffnungszeiten
- Start einer Crowdfunding-Kampagne
- Einbeziehung eines externen Insolvenzberaters
Von den angestrebten 150.000 Euro durch Spenden sind bislang nur rund 3.000 Euro zusammengekommen. Das Clubmanagement kündigte an, dass künftig weitere tiefgreifende Veränderungen nötig seien, um eine wirtschaftliche Basis zu schaffen.
Ein bedeutender Ort der queeren Geschichte
Das Schwuz wurde 1977 gegründet und war ursprünglich als „Schwulen-Zentrum“ bekannt. Es zählt heute zu den wichtigsten queeren Kulturinstitutionen Deutschlands. In den ersten Jahrzehnten spielte der Club eine zentrale Rolle in der Berliner Community. Der erste Berliner Christopher Street Day 1979 und die Gründung der Stadtzeitung „Siegessäule“ hatten dort ihren Ursprung.
2013 zog der Club vom Mehringsdamm in Kreuzberg nach Neukölln um. Im Rollbergviertel fand er eine neue Heimat mit Platz für mehr als 1.000 Gäste. Dort entwickelte sich das Schwuz zu einem Treffpunkt für queere Kultur, Musik und Politik. Die Betreiber appellieren nun an die Öffentlichkeit, den Club durch Besuche zu unterstützen: „Komm vorbei. Tanz. Feiere!“
Kritik und Sorge um Berlins Clubkultur
Die Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus warnten vor den Auswirkungen auf die Szene. In einer Mitteilung betonten sie, dass mit dem Schwuz einer der bedeutendsten queeren Clubs ums Überleben kämpfe. Auch Klaus Lederer, ehemaliger Berliner Kultursenator, äußerte sich besorgt. Er sprach von einer ernsten Gefahr für die queere Subkultur Berlins.
Lederer sieht einen wachsenden Druck durch Verdrängung, finanzielle Not und Schließungen. Der Fall des Schwuz sei nur ein Beispiel für die wachsenden Probleme der Clubkultur in der Hauptstadt. Die Politik sei gefordert, langfristige Lösungen zu schaffen, um die Vielfalt zu erhalten.
Der Clubbetrieb soll trotz Insolvenz fortgesetzt werden, zumindest bis zur erwarteten Eröffnung des Verfahrens im Oktober. Die Beschäftigungsverhältnisse bleiben laut Geschäftsführung bestehen und die Gehälter werden weiterhin gezahlt. Ob das Schwuz jedoch langfristig bestehen kann, hängt von zahlreichen Faktoren ab – nicht zuletzt von der Solidarität der Community.
Quelle: RBB24





