Goldener Bär für İlker Çatak im Berlinale-Palast
Goldener Bär für İlker Çatak im Berlinale-Palast, Foto: Pexels / Lizenz: Pexels

Im Berlinale-Palast am Potsdamer Platz sind am Samstagabend die wichtigsten Preise der 76. Internationale Filmfestspiele Berlin vergeben worden. Mehr als 270 Filme liefen in 2026 im Rahmen des Festivals. 22 Beiträge konkurrierten im Wettbewerb, 20 davon als Weltpremieren. Die Internationale Jury unter Wim Wenders entschied über die Vergabe der Bären. Der Goldene Bär für den Besten Film ging an „Gelbe Briefe“ von İlker Çatak. Damit wurde erstmals seit 2004 wieder ein Werk eines deutschen Regisseurs und Produzententeams mit dem Hauptpreis ausgezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

İlker Çatak und Gelbe Briefe

„Gelbe Briefe“ erzählt die Geschichte eines türkischen Künstlerehepaars. Es steht unter wachsender staatlicher Repression. Der Film spielt in der Türkei. Gedreht wurde jedoch in Berlin und Hamburg. Ein türkisches Ensemble übernahm die Rollen.

Çatak knüpft damit an frühere Erfolge an. Sein Spielfilm „Das Lehrerzimmer“ feierte Premiere auf der Berlinale-Sektion Panorama und wurde 2024 als deutscher Beitrag für den Oscar in der Kategorie Bester internationaler Spielfilm nominiert. Mit „Gelbe Briefe“ setzt er seine Auseinandersetzung mit Machtstrukturen und moralischen Konflikten fort – diesmal in einem explizit politischen Kontext. Berlinale 2026 in Berlin

2004 war zuletzt ein Film eines deutschen Regisseurs und Produzententeams mit einem Goldenen Bären ausgezeichnet worden: „Gegen die Wand“ von Fatih Akin. Mit dem aktuellen Sieg schließt sich eine 22-jährige Lücke.

Sandra Hüller und Rose

Den Silbernen Bären für die Beste Schauspielerische Leistung in einer Hauptrolle erhielt Sandra Hüller für ihre Darstellung in „Rose“ von Markus Schleinzer. In dem österreichisch-deutschen Wettbewerbsbeitrag verkörpert sie eine Frau im 17. Jahrhundert, die sich als Mann ausgibt, um gesellschaftlichen Zwängen zu entkommen. Hüller galt bereits im Vorfeld als Favoritin.

Vor genau 20 Jahren wurde sie auf der 56. Berlinale für „Requiem“ mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet. 2024 erhielt sie zudem einen César sowie eine Oscar-Nominierung für ihre Rolle in „Anatomie eines Falls“.

Als Beste Nebendarsteller:innen wurden am Samstag der britische Schauspieler Tom Courtenay und seine Kollegin Anna Calder-Marshall geehrt. In „Queen at Sea“ über das Thema Demenz von Lance Hammer spielen sie ein älteres Ehepaar. Das Drama mit Juliette Binoche in der Rolle der Tochter wurde außerdem mit dem Preis der Jury ausgezeichnet.

Emin Alper und Salvation

Der Silberne Bär – Großer Preis der Jury ging an den türkischen Spielfilm „Salvation“ („Kurtuluş“) von Emin Alper über eine eskalierende Fehde zwischen zwei verfeindeten Bergdörfern – ein Werk, das politische Parabel und Familiendrama miteinander verbindet.

Für die Beste Regie wurde das Biopic „Everybody Digs Bill Evans“ ausgezeichnet, das sich dem Leben des Jazz-Pianisten Bill Evans widmet. Es ist das Spielfilmdebüt des britischen Dokumentarfilmregisseurs Grant Gee.

Der Drehbuchpreis ging an Geneviève Dulude-de Celles für das kanadische Drama „Nina Roza“, bei dem sie auch Regie führte. Über den Preis für eine Herausragende Künstlerische Leistung konnten sich Anna Fitch und Banker White freuen. Ihr US-amerikanischer Beitrag „Y0 – Love is a Rebellious Bird“ ist der einzige Dokumentarfilm im Wettbewerb.

Michelle Yeoh und politische Debatten

Die beiden weiteren deutschen Wettbewerbsbeiträge – Angela Schanelecs „Meine Frau weint“ und Eva Trobischs „Etwas ganz Besonderes“ – gingen ebenso leer aus wie mehrere im Vorfeld gehandelte Favoriten, etwa „We are all Strangers“ (Wo Men Bu Shi Mo Sheng Ren) von Anthony Chan.

Bereits zur Eröffnung am 12. Februar war der Goldene Ehrenbär an Oscar-Preisträgerin Michelle Yeoh verliehen worden. Ungeachtet der Kontroversen reiste viel Prominenz an den Potsdamer Platz. Neben Ehrenbär-Preisträgerin Michelle Yeoh wurden unter anderem Sandra Hüller, Juliette Binoche, Ethan Hawke sowie zahlreiche internationale Regisseurinnen und Regisseure auf dem roten Teppich gefeiert. mehr dazu

Insgesamt liefen bei der Berlinale mehr als 270 Filme aus aller Welt. Der Wettbewerb präsentierte 22 Beiträge aus 28 Ländern, darunter 20 Weltpremieren. Über die Vergabe der Bären entschied die Internationale Jury unter Wim Wenders.

Auch in diesem Jahr waren die Filmfestspiele von politischen Debatten begleitet. Die Gala der Internationale Filmfestspiele Berlin nutzten einige Preisträger:innen für Statements. Mit den Worten „Ihr seid nicht allein“ erinnerte Regisseur Emin Alper an die vielen Opfer in weltweiten Konfliktgebieten. Vereinzelt gab es pro-palästinensische Statements und Symbole. Der syrisch-palästinensische Regisseur Abdallah Alkhatib, der für „Chronicles From the Siege“ mit dem Preis für das beste Spielfilmdebüt (Sektion Perspectives) geehrt wurde, warf Deutschland vor, an einem „Genozid in Gaza“ mitzuwirken. Die libanesische Regisseurin Marie-Rose Osta, Preisträgerin des Goldenen Bären für den Besten Kurzfilm („Someday a Child“), erinnerte an Kinderopfer im Libanon und in Gaza. Vom Publikum wurden die Äußerungen teils mit Beifall und teils mit Pfiffen quittiert.

Im Verlauf des Festivals hatte ein im Branchenblatt „Variety“ veröffentlichter offener Brief von rund 80 internationalen Filmschaffenden, darunter Tilda Swinton, die Berlinale wegen „institutionellen Schweigens“ zum Gaza-Krieg kritisiert. Auch Äußerungen von Jurypräsident Wim Wenders zur Rolle von Kunst und Politik hatten Kritik ausgelöst. Der Goldene-Bär-Gewinner İlker Çatak hatte am Samstagnachmittag zudem gemahnt, komplexe politische Fragen bräuchten mehr Raum und Kontext als kurze Presse-Statements erlauben. Intendantin Tricia Tuttle verteidigte auf der Gala die Berlinale als Ort kontroverser, aber offener Debatten. kulturelle Highlights

Die traditionsreiche Veranstaltung gilt als eines der wichtigsten Festivals weltweit. Die Berlinale endet am Sonntag, dem 22. Februar mit dem traditionellen Publikumstag.

Weitere Informationen zum Festival bietet die offizielle Seite der Berlinale unter berlinale.de.

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FAQ

Wo wurden die Auszeichnungen der 76. Internationale Filmfestspiele Berlin verliehen?

Die Auszeichnungen wurden am Samstagabend im Berlinale-Palast am Potsdamer Platz verliehen.

Wer gewann den Goldenen Bären für den Besten Film?

Den Goldenen Bären für den Besten Film erhielt „Gelbe Briefe“ von İlker Çatak.

Worum geht es in „Gelbe Briefe“ und wo wurde der Film gedreht?

Im Mittelpunkt steht ein türkisches Künstlerehepaar, das zunehmender staatlicher Repression ausgesetzt ist. Der Film spielt in der Türkei, arbeitet mit einem türkischen Ensemble und wurde in Berlin und Hamburg gedreht.

Welche Auszeichnung erhielt Sandra Hüller und für welchen Film?

Sandra Hüller erhielt den Silbernen Bären für die Beste Schauspielerische Leistung in einer Hauptrolle für ihre Darstellung in „Rose“ von Markus Schleinzer.

Welche Filme und Personen wurden bei „Queen at Sea“ ausgezeichnet?

Tom Courtenay und Anna Calder-Marshall wurden als Beste Nebendarsteller:innen geehrt. „Queen at Sea“ von Lance Hammer erhielt außerdem den Preis der Jury, Juliette Binoche spielte die Tochter.

Wer erhielt den Silbernen Bären – Großer Preis der Jury?

Der Silberne Bär – Großer Preis der Jury ging an den türkischen Spielfilm „Salvation“ („Kurtuluş“) von Emin Alper.

Welche Preise gingen an „Everybody Digs Bill Evans“, „Nina Roza“ und „Y0 – Love is a Rebellious Bird“?

„Everybody Digs Bill Evans“ erhielt den Preis für die Beste Regie. Der Drehbuchpreis ging an Geneviève Dulude-de Celles für „Nina Roza“. Eine Herausragende Künstlerische Leistung erhielten Anna Fitch und Banker White für „Y0 – Love is a Rebellious Bird“.

Quelle: RBB24, TAGESSCHAU

 

 

 

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