Der Kulturpass, ein Prestigeprojekt der ehemaligen Kulturstaatsministerin Claudia Roth, wird eingestellt. Rund 1,5 Millionen junge Menschen waren in den letzten zwei Jahren berechtigt, die App zu nutzen und damit 100 Euro für kulturelle Angebote auszugeben. Die aktuelle Bundesregierung plant keine Fortführung des Programms.
Inhaltsverzeichnis:
- Von Claudia Roth zu Wolfram Weimer
- Kritik von Jugendlichen und Politik
- Sorge beim Deutschen Kulturrat
- Jugendkulturkarte in Berlin
Von Claudia Roth zu Wolfram Weimer
Das Programm startete 2022. Im ersten Jahr erhielten die Jugendlichen sogar 200 Euro. Genutzt werden konnte das Guthaben für Museen, Theater, Kino, Konzerte oder Bücher.
- 2023 waren es 100 Euro pro Person
- Anspruch hatten die Jahrgänge 2005 und 2006
- Rund 500.000 Jugendliche aktivierten den Kulturpass
Wolfram Weimer, der amtierende Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, erklärte, dass der Kulturpass nicht verlängert werde. Zur Begründung verwies er auf den Bundesrechnungshof, der die Finanzierungskompetenz beim Bund verneint habe. Kultur sei Ländersache.
Kritik von Jugendlichen und Politik
Viele junge Leute bedauern das Ende. Mila Ho konnte dank des Kulturpasses erstmals Live-Konzerte besuchen. Sie wirbt inzwischen selbst in sozialen Medien für das Projekt. Der Berliner Schüler Oskar Boi Sander, Jahrgang 2007, ging leer aus. „100 Euro sind ja nicht wenig Geld, da kann man auf viele Konzerte gehen, die leider immer teurer werden“, sagte er.
Auch in der Politik stößt das Aus auf Widerstand. Sven Lehmann, Vorsitzender des Kulturausschusses im Bundestag, nannte das Argument von Weimer ein „fadenscheiniges Argument“. Er betonte, dass nicht der Bundesrechnungshof über Kompetenzen entscheide, sondern es sich um eine politische Frage handle.
Sorge beim Deutschen Kulturrat
Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats, Olaf Zimmermann, warnt vor einem Dominoeffekt. „Wenn der Bundesrechnungshof jetzt ermutigt wird, diese Idee weiterzuspinnen, könnte er auch andere Bundesprogramme in Frage stellen“, erklärte er. Nach Ansicht des Kulturrats habe der Kulturpass einen wichtigen Impuls gegeben. In zwei Jahren wurden drei Millionen Abbuchungen registriert, die meisten für Bücher, gefolgt von Kino- und Konzertkarten.
Zimmermann kritisiert jedoch auch Schwächen des Projekts. Die Entwicklungskosten der App beliefen sich auf 30 Millionen Euro. Für nur zwei Jahre Laufzeit sei dies verschwendetes Steuergeld. Zudem seien sozial benachteiligte Gruppen und Jugendliche im ländlichen Raum nur unzureichend erreicht worden.
Jugendkulturkarte in Berlin
Ein Beispiel für erfolgreiche Kulturförderung liefert Berlin. Dort gab es 2023 die Jugendkulturkarte. Sie bot 50 Euro Guthaben für 18- bis 23-Jährige. Laut Projektleiterin Corinna Scheller entdeckten über 60 Prozent der Teilnehmenden erstmals neue Kulturorte. Über 99 Prozent der Befragten gaben an, die Karte erneut nutzen zu wollen.
Die Berliner Erfahrungen zeigen, dass Förderprogramme in kurzer Zeit Wirkung entfalten können. Ob der Bund oder die Länder ähnliche Angebote wieder auflegen, ist derzeit unklar.
Quelle: rbb24, YouTube, Wismar TV





