Neue Kleidung wird in Berlin weiterhin häufiger gekauft als gebrauchte Mode. Secondhand hat jedoch deutlich aufgeholt und gehört besonders bei jüngeren Menschen längst zum normalen Einkaufsverhalten. Eine repräsentative Berliner Erhebung, die beide Einkaufsformen direkt nach Häufigkeit vergleicht, liegt derzeit nicht vor. Bundesweite Marktdaten, Umfragen und das umfangreiche lokale Angebot ergeben dennoch ein klares Bild. Neuware dominiert den Gesamtmarkt. Gleichzeitig ist Secondhand ein fester Bestandteil der Mode in Berlin.
Inhaltsverzeichnis
- Was aktuelle Marktdaten über den Modekauf zeigen
- Warum Secondhand in Berlin besonders sichtbar ist
- Welche Gründe für gebrauchte Kleidung sprechen
- Warum neue Kollektionen den Markt beherrschen
- Wie Berliner zwischen neu und gebraucht entscheiden
- Wie sich Secondhand-Qualität prüfen lässt
- Wie sich der Modekonsum weiterentwickelt
- FAQ
Was aktuelle Marktdaten über den Modekauf zeigen
Der entscheidende Unterschied liegt im Anlass. Basics, Unterwäsche, Schuhe und gezielt benötigte Größen werden häufiger neu gekauft. Einzelstücke, Markenmode, Jacken, Denim und ungewöhnliche Looks suchen viele Berliner dagegen bewusst gebraucht.
Der deutsche Handel verkaufte 2025 nach Berechnungen des Bundesverbands des Deutschen Textileinzelhandels Bekleidung im Wert von rund 57,14 Milliarden Euro. Der Umsatz mit gebrauchter Kleidung lag nach Daten von Statista bei ungefähr 6,8 Milliarden Euro. Die Zahlen wurden von der Tagesschau aufgegriffen.
Die Marktwerte stammen aus unterschiedlichen Erhebungen und lassen sich nicht vollständig gegeneinander aufrechnen. Die Größenordnung zeigt aber deutlich, dass Neuware wirtschaftlich weiterhin dominiert. Secondhand ist kein gleich großer Gegenmarkt. Das Segment wächst jedoch und erreicht inzwischen einen Milliardenumsatz.
Die 2025 veröffentlichte Erhebung von Civey für Momox liefert ein ähnliches Bild. Dafür wurden 5.000 Erwachsene aus Deutschland sowie zusätzlich 2.500 Käufer von Secondhand-Kleidung befragt. In der Gesamtbevölkerung hatten 43 Prozent bereits mindestens einmal gebrauchte Kleidung gekauft. Ein einmaliger Kauf bedeutet allerdings noch keinen regelmäßigen Vorrang gegenüber Neuware.
| Kennzahl | Ergebnis | Aussagekraft |
|---|---|---|
| Deutscher Bekleidungsmarkt 2025 | rund 57,14 Milliarden Euro | Neuware bildet weiterhin den weitaus größeren Markt |
| Secondhand-Kleidung 2025 | rund 6,8 Milliarden Euro | Gebrauchte Mode ist ein etablierter Milliardenmarkt |
| Erfahrung mit gebrauchter Kleidung | 43 Prozent haben bereits Secondhand-Mode gekauft | Secondhand erreicht einen großen Teil der Bevölkerung |
| Bevorzugung gebrauchter Waren | 35 Prozent bevorzugen gebrauchte gegenüber neuen Waren | YouGov erfasste mehrere Produktgruppen und nicht nur Kleidung |
YouGov stellte 2025 fest, dass 35 Prozent der Deutschen gebrauchte Waren grundsätzlich lieber als neue kaufen. Bei den 18- bis 24-Jährigen betrug der Anteil 45 Prozent. Unter den 25- bis 34-Jährigen waren es 44 Prozent. Die Erhebung bezog sich auf Gebrauchtwaren insgesamt und darf deshalb nicht als reine Modestatistik gelesen werden.
Für Berlin lässt sich daraus kein exakter Prozentwert ableiten. Die jüngere Bevölkerungsstruktur, das große Angebot und die starke Vintage-Kultur sprechen aber dafür, dass gebrauchte Mode in der Hauptstadt sichtbarer ist als in vielen kleineren Städten.
Warum Secondhand in Berlin besonders sichtbar ist
Berlin bietet für gebrauchte Kleidung mehrere parallele Einkaufswelten. Dazu gehören klassische Sozialkaufhäuser, große Secondhand-Ketten, kuratierte Vintage-Geschäfte, Kiloläden, Flohmärkte und digitale Plattformen. Diese Vielfalt passt zu einer Stadt, in der Vintage oder Streetwear in Berlin nicht als klarer Gegensatz wahrgenommen werden.
Das offizielle Reiseportal visitBerlin bezeichnet die Hauptstadt als Secondhand-Hochburg. In einer im März 2026 aktualisierten Übersicht nennt das Portal 19 Humana-Filialen, zehn Resales-Standorte, acht Oxfam-Shops und drei Geschäfte von Picknweight. Hinzu kommen unabhängige Läden, Kleidertauschbörsen und zeitlich begrenzte Vintage-Märkte.
Diese Zahlen dokumentieren ein dichtes Angebot. Sie belegen aber nicht automatisch, dass die gesamte Berliner Bevölkerung häufiger gebraucht als neu einkauft. Neue Kleidung ist in Warenhäusern, Einkaufszentren, Fachgeschäften, Markenläden und Onlineshops weiterhin wesentlich breiter verfügbar.
- In Friedrichshain, Kreuzberg, Neukölln, Mitte und Prenzlauer Berg konzentrieren sich viele Vintage- und Secondhand-Angebote.
- Flohmärkte verbinden den Kleidungskauf mit Freizeit und persönlicher Suche.
- Digitale Plattformen vergrößern das Sortiment weit über den eigenen Kiez hinaus.
- Kuratierte Geschäfte sprechen Kunden an, die gezielt nach bestimmten Jahrzehnten oder Marken suchen.
- Sozialkaufhäuser und Kiloläden bedienen besonders preisorientierte Käufer.
Berliner Modewahl
Die Berliner Kleiderstange
Öffne den Kleiderbügel, der am besten zu deinem Einkauf passt.
Secondhand wählen
Passt besonders bei
- individuellen Einzelstücken
- kleinem Einkaufsbudget
- flexiblen Größen
- Freude am Stöbern
Beides kombinieren
Passt besonders bei
- neuen Basics
- gebrauchten Jacken
- wechselnden Anlässen
- bewusster Garderobe
Neue Mode wählen
Passt besonders bei
- genauer Größenwahl
- kurzer Einkaufszeit
- körpernaher Kleidung
- gewünschter Rückgabe
Berliner Lösung Neue Basics mit gebrauchten Einzelstücken verbinden.
Welche Gründe für gebrauchte Kleidung sprechen
Der wichtigste Anreiz ist häufig der Preis. In der Civey-Erhebung für Momox nannten 64 Prozent der Befragten das Sparen als Motiv. Knapp 49 Prozent verbanden den Kauf mit einem positiven Beitrag für die Umwelt. 28 Prozent suchten vor allem ungewöhnliche Stücke.
Secondhand kann den Zugang zu höherwertigen Materialien und Marken erleichtern. Ein gebrauchter Wollmantel oder eine bereits getragene Lederjacke kann günstiger sein als ein vergleichbares neues Produkt. Der Vorteil hängt jedoch stark von Zustand, Material, Marke und Nachfrage ab. Vintage ist nicht grundsätzlich preiswert.
Für viele Berliner zählt außerdem die Individualität. Gebrauchte Kleidung stammt aus unterschiedlichen Saisons und Jahrzehnten. Das verringert die Wahrscheinlichkeit, im Straßenbild genau dasselbe Kleidungsstück mehrfach zu sehen. Dieser Effekt unterstützt einen persönlichen Stil und erklärt, warum Berliner Mode Überfluss meidet.
- Günstiger Zugang zu bestimmten Marken und Materialien
- Größere Auswahl an älteren Schnitten und nicht mehr produzierten Modellen
- Längere Nutzung bereits hergestellter Kleidung
- Möglichkeit zum Weiterverkauf eigener Stücke
- Individuellere Kombinationen jenseits aktueller Kollektionen
Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass der Kauf von Textilien und Bekleidung in Deutschland rund 135 Kilogramm CO₂-Äquivalente pro Person und Jahr verursacht. Eine längere Nutzungsdauer kann den Bedarf an neuen Produkten senken. Entscheidend ist dabei, dass gebrauchte Käufe neue Anschaffungen tatsächlich ersetzen und nicht zusätzlich erfolgen.
Warum neue Kollektionen den Markt beherrschen
Neue Ware bietet eine planbarere Auswahl. Kunden können häufiger zwischen mehreren Größen, Farben und Schnitten wählen. Bei Secondhand ist jedes Stück nur in der vorhandenen Ausführung verfügbar. Wer eine bestimmte Größe für einen konkreten Termin benötigt, findet sie bei Neuware meist schneller.
Auch Hygiene und Produktsicherheit spielen eine Rolle. Unterwäsche, Bademode und körpernah getragene Funktionskleidung werden überwiegend neu gekauft. Bei Schuhen kann eine bereits geformte Innensohle gegen einen Gebrauchtkauf sprechen. Bei Kinderkleidung fällt die Entscheidung anders aus, weil Größen schnell wechseln und gut erhaltene Stücke oft nur kurz getragen wurden.
Neue Kollektionen profitieren außerdem von professionellen Produktfotos, vollständigen Größenangaben, Rückgabemöglichkeiten und einer gleichbleibenden Warenpräsentation. Im stationären Handel lassen sich mehrere Größen direkt vergleichen. Online erleichtern Filter die Suche nach Material, Farbe und Passform.
Neuware gewinnt vor allem dann, wenn Verfügbarkeit, Passform und Zeit wichtiger sind als die Suche nach einem Einzelstück. Das erklärt, weshalb sowohl Berliner Marken oder Ketten trotz des Secondhand-Booms einen wesentlich größeren Teil des Modebedarfs decken.
Wie Berliner zwischen neu und gebraucht entscheiden
Das reale Einkaufsverhalten ist selten eine Entscheidung für nur eine Seite.
Welche Mode passt zu dir?
Beantworte vier Fragen und erhalte eine passende Einkaufsempfehlung.
Viele Menschen kombinieren beide Märkte. Ein Mantel kann gebraucht sein, während T-Shirt, Schuhe und Unterwäsche neu gekauft werden. Andere suchen zunächst Secondhand und wechseln bei fehlender Größe zu Neuware.
| Einkaufssituation | Secondhand bietet Vorteile | Neuware bietet Vorteile |
|---|---|---|
| Ungewöhnliches Einzelstück | Große stilistische Vielfalt | Aktuelle Trends leichter auffindbar |
| Bestimmte Größe wird sofort benötigt | Mit Geduld und mehreren Anbietern möglich | Planbarere Größenverfügbarkeit |
| Hochwertiger Mantel oder Jacke | Gute Materialien können günstiger sein | Gewährleistung und ungetragener Zustand |
| Unterwäsche und körpernahe Kleidung | Nur eingeschränkt sinnvoll | Hygiene und vollständige Auswahl |
| Kleidung für Kinder | Kurze vorherige Nutzungsdauer möglich | Gezielte Größe und Ausstattung verfügbar |
Eine sinnvolle Entscheidung beginnt deshalb nicht mit einer Grundsatzfrage. Wichtiger sind Nutzungsdauer, Material, Zustand und tatsächlicher Bedarf. Der Berliner Alltag fördert Mischformen. Genau dort zeigt sich, wie stark der Lebensstil die Kleidung beeinflusst.
Wie sich Secondhand-Qualität prüfen lässt
Gebrauchte Mode verlangt eine genauere Kontrolle als originalverpackte Ware. Kleine Mängel sind nicht immer problematisch. Sie müssen aber zum Preis und zur geplanten Nutzung passen.
- Materialetikett und Pflegehinweise lesen.
- Nähte, Reißverschlüsse, Knöpfe und Taschen prüfen.
- Kragen, Ärmelenden, Knie und Innenfutter auf Abrieb untersuchen.
- Bei Strickwaren nach kleinen Löchern und verzogenen Bereichen suchen.
- Maße mit einem gut passenden Kleidungsstück vergleichen.
- Vor einem Onlinekauf nach deutlichen Fotos von möglichen Mängeln fragen.
Gerüche, starke Verfärbungen, beschädigte Beschichtungen oder nicht entfernbare Flecken können einen günstigen Kauf unbrauchbar machen. Bei Lederschuhen sind Sohlen, Fersenbereich und Innenfutter besonders wichtig. Bei Jacken sollten Reißverschluss und Futter vollständig kontrolliert werden.
Ein niedriger Preis ist nur dann ein Vorteil, wenn das Kleidungsstück anschließend regelmäßig getragen werden kann. Fehlkäufe bleiben auch dann Ressourcenverbrauch, wenn sie gebraucht erworben wurden.
Secondhand-Qualitätsprüfung
Prüfe diese Punkte, bevor du ein gebrauchtes Kleidungsstück kaufst.
Je mehr Punkte erfüllt sind, desto geringer ist das Risiko eines Fehlkaufs.
Wie sich der Modekonsum weiterentwickelt
Secondhand wird weiter an Sichtbarkeit gewinnen. Onlineplattformen vereinfachen Suche, Bezahlung und Versand. Stationäre Läden reagieren mit stärker kuratierten Sortimenten. Gleichzeitig integrieren klassische Händler Rücknahme, Wiederverkauf und aufbereitete Ware in ihre Geschäftsmodelle.
Auch die europäischen Regeln verändern den Markt. Seit dem 19. Juli 2026 gilt für große Unternehmen ein Verbot der Vernichtung unverkaufter Bekleidung, Kleidungsaccessoires und Schuhe. Zulässige Ausnahmen betreffen unter anderem beschädigte oder aus Sicherheitsgründen ungeeignete Produkte. Die Regelung soll Wiederverkauf, Aufbereitung, Spenden und Wiederverwendung fördern.
Die neue Regulierung macht Neuware nicht zum Auslaufmodell. Sie erhöht jedoch den Druck, Kollektionen besser zu planen und unverkaufte Bestände länger im Kreislauf zu halten. Dadurch können sich neue und gebrauchte Mode stärker überschneiden.
Für Berlin bleibt deshalb eine gemischte Garderobe das wahrscheinlichste Modell. Neue Kollektionen decken den planbaren Bedarf. Secondhand liefert Preisvorteile, ältere Designs und individuelle Stücke. Neuware wird insgesamt häufiger gewählt, doch gebrauchte Kleidung ist in Berlin von einer Nische zu einem festen Einkaufskanal geworden.
Wichtigste Punkte zum Merken
- Es gibt keine aktuelle repräsentative Vergleichsstudie nur für Berlin.
- Der deutsche Markt für Neuware ist deutlich größer als der Secondhand-Modemarkt.
- 43 Prozent der Erwachsenen in Deutschland haben bereits gebrauchte Kleidung gekauft.
- Jüngere Menschen zeigen eine höhere Offenheit für Gebrauchtwaren.
- Berlin besitzt ein besonders dichtes Angebot an Secondhand- und Vintage-Geschäften.
- Preis, Individualität und längere Nutzung fördern den Gebrauchtkauf.
- Größe, Hygiene und sofortige Verfügbarkeit sprechen häufig für Neuware.
- Viele Berliner kombinieren neue und gebrauchte Kleidungsstücke.
Quelle: Bundesverband des Deutschen Textileinzelhandels, IFH Köln, Statista Consumer Insights, Tagesschau, Umweltbundesamt, YouGov Profiles, Civey, Momox Fashion Report, visitBerlin und Europäische Kommission.



