Inszenierung am Deutschen Theater über ein Haus im Wandel der Zeit
Inszenierung am Deutschen Theater über ein Haus im Wandel der Zeit, Foto: Pexels–Pixabay / Lizenz: Pexels–Pixabay

Der Roman Heimsuchung gilt als einer der formal anspruchsvollsten deutschsprachigen Texte der Gegenwart. Er erzählt Geschichte ohne lineare Hauptfigur. Mehr als 30 Personen prägen über 100 Jahre hinweg ein einziges Grundstück am Scharmützelsee. Der Stoff reicht von der Weimarer Republik bis in die Zeit nach der deutschen Wiedervereinigung. Die Dramatisierung am Deutschen Theater steht damit in einer Reihe weiterer kultureller Großereignisse in der Hauptstadt, wie etwa bei der Abschiedsvorstellung der Blue Man Group.

Inhaltsverzeichnis

Jenny Erpenbeck und Scharmützelsee

Der Roman von Jenny Erpenbeck beschreibt die wechselnde Nutzung eines Grundstücks am Scharmützelsee. Der Schulze besitzt das Land zunächst. Er hat vier unverheiratete Töchter. Mangels Erben verkauft er das Areal in drei Teilen.

  • ein Drittel an einen Kaffee- und Teeimporteur aus Frankfurt an der Oder
  • ein Drittel an einen Tuchfabrikanten aus Guben
  • ein Drittel an einen Berliner Architekten

Diese Verkäufe bilden den Ausgangspunkt für alle späteren Besitzwechsel. Jede neue Nutzung steht für eine historische Phase. Das Grundstück wird bebaut, bewohnt, enteignet und erneut verändert. Die literarische Verdichtung solcher Prozesse spielt auch im aktuellen Kulturbetrieb eine Rolle, mehr hier.

Architekt, Holocaust und DDR

Der Berliner Architekt errichtet ein Sommerhaus für sich und seine Frau. Während des Nationalsozialismus übernimmt er das Badehaus jüdischer Tuchmacher. Diese werden mehrheitlich im Holocaust ermordet. Im Roman heißt es wörtlich:

„Immerhin die Hälfte des Verkehrswertes hatte er den Juden gezahlt. Und das war schon nicht wenig gewesen.“

Später flieht der Architekt vor dem DDR-Regime in den Westen, eine Schriftstellerin zieht ein, nach der Wiedervereinigung muss sie das Haus wieder abgeben. Der Text verbindet individuelle Biografien mit politischen Umbrüchen. Solche historischen Stoffe stehen auch bei Film- und Theaterformaten im Fokus, wie Berlinale-Formate in den Kiezen zeigen. Mehr - https://www.extratimeout.com/de/lebensstil.html

Alexander Eisenach und Ensemble

Die Inszenierung stammt von Alexander Eisenach. Er ordnet die komplexe Struktur des Romans neu. Erzählerische Passagen werden in kurze Dialoge überführt. So entsteht eine klarere Dramaturgie trotz fragmentarischer Episoden.

Das Ensemble trägt diese Struktur. Besonders hervorgehoben werden Anja Schneider und Felix Goeser als Architekt und Ehefrau. Benjamin Lilie spielt Ludwig. Dessen jüdische Eltern besuchen ihn 1937 im südafrikanischen Exil. Sie kehren nach Guben zurück. Dort werden sie in der Gaskammer ermordet.

Gewalt, Technik und Dauer

Mehrere Szenen markieren zentrale historische Gewalterfahrungen. Ludwigs zwölfjährige Nichte Doris wird von den Nationalsozialisten erschossen. Die Frau des Architekten wird von einem Rotarmisten im Kleiderschrank vergewaltigt. Diese Momente gehören zu den härtesten Passagen der Aufführung.

Eisenach nutzt Live-Musik, Licht, Nebel und Video-Projektionen. Die Drehbühne ist abstrakt gestaltet. Kies wird wiederholt über die Fläche geschüttet. Die Mittel sollen die sperrigen Textstellen rhythmisch unterstützen.

Die Aufführung dauert rund 3 Stunden. Nach der Pause werden noch etwa 30 Jahre Geschichte behandelt. Die Vielzahl kurzer Episoden verlangsamt den Ablauf spürbar. Als Verständnishilfe für Schüler:innen in der Abiturvorbereitung ist der Abend geeignet. Als eigenständiges Kunstwerk bleiben die Figuren jedoch bewusst distanziert und funktional eingesetzt.

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FAQ

Worum geht es in dem Roman Heimsuchung?

Der Roman schildert die Geschichte eines Grundstücks am Scharmützelsee, das über mehr als 100 Jahre hinweg von unterschiedlichen Menschen bewohnt, genutzt, enteignet und verändert wird.

Wer ist die Autorin von Heimsuchung?

Die Autorin des Romans ist Jenny Erpenbeck, eine deutsche Schriftstellerin, die für ihre komplexen historischen Erzählstrukturen bekannt ist.

Warum gibt es in Heimsuchung keine Hauptfigur?

Der Roman verzichtet bewusst auf eine zentrale Hauptfigur, da das Grundstück selbst und die historischen Umbrüche im Mittelpunkt der Erzählung stehen.

Welche historischen Epochen werden im Werk dargestellt?

Die Handlung umfasst die Zeit von der Weimarer Republik über den Nationalsozialismus und die DDR bis in die Phase nach der deutschen Wiedervereinigung.

Wer führte Regie bei der Bühnenfassung am Deutschen Theater?

Die Inszenierung am Deutschen Theater wurde von Alexander Eisenach realisiert.

Welche Rolle spielt der Holocaust in der Geschichte?

Der Holocaust ist ein zentrales historisches Element, da jüdische Eigentümer enteignet und ermordet werden und ihre Geschichte eng mit dem Grundstück verbunden ist.

Wie lang dauert die Theateraufführung?

Die Aufführung hat eine Gesamtdauer von etwa drei Stunden, inklusive einer Pause.

Für wen eignet sich die Inszenierung besonders?

Die Inszenierung kann insbesondere Schüler:innen bei der Vorbereitung auf das Abitur helfen, da sie historische Zusammenhänge strukturiert darstellt.

Quelle: RBB24, MILEKCORP

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